Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Ebenfurth – Sopron

1988 - 2008 / 20 Jahr Jubiläum

Bericht: Ing. Peter Gaider, Zusammenstellung: Ernst Sladek 

  

  Vor 20 Jahren, am 27.5.1988 wurde die Bahnstrecke Ebenfurth–Müllendorf–Wulkaprodersdorf–Sopron elektrifiziert und seither können die Züge umweltfreundlich mit Elektrolokomotiven geführt werden. Dieses Jubiläum soll Anlass zu einem kurzen Rückblick auf die Geschichte dieser Strecke sein.
  Die Strecke, die im Eigentum der Györ-Sopron-Ebenfurti Vasút (GySEV) / Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn (ROeEE) steht, führt vom Bahnhof Ebenfurth über Neufeld a.d. Leitha (Bahnhof), Müllendorf (Bahnhof), Wulkaprodersdorf (Bahnhof), Draßburg (Haltestelle) und Baumgarten (Bahnhof) in den ungarischen Bahnhof Sopron. Die Strecke ist 32,7 Kilometer lang. 
  Der Streckenanteil in Österreich hat eine Länge von 27,2 Kilometer.

Das Foto zeiget den Bahnbetrieb am 1.3.1988 in Wulkaprodersdorf, als die Arbeiten zur Elektrifizierung voll in Gang waren. Dampflok der MAV 424.334 (als Leihlok) bei der GySEV mit einem Arbeitszug.

  Der Bau der Bahn wurde im März 1879 von der Fa. Wagner & Cathry in Angriff genommen und war nach sieben Monaten Bauzeit im Oktober 1879 bis Neufeld vollendet. Der Abschnitt von Neufeld bis Ebenfurth war schon seit 1872 als mit Pferden betriebene Schleppbahn in Betrieb und stand im Eigentum der Wiener Neustadt - Gramat-Neusiedler-Bahn (später: Wien - Pottendorf - Wiener Neustädter Bahn). Seit der Eröffnung der neuen Strecke am 28.10.1879 führt die GySEV nun auch die Züge auf dem Abschnitt Neufeld-Ebenfurth mit ihrem Lokomotiv- und Wagenmaterial. 1883 wurde von der GySEV der Abschnitt von Neufeld bis zur Leitha (damalige Landesgrenze) gepachtet und später käuflich erworben.
  Interessant ist auch der Umstand, dass bis Oktober 1891, dem Zeitpunkt der Einführung der mitteleuropäischen Zeit in der gesamten Monarchie, die Fahrpläne der Soproner Züge in Ebenfurth eine Zeitdifferenz von 18 Minuten aufwiesen, da in Ungarn Budapester Zeit galt, während in Österreich die Uhren nach der Prager Zeit gingen.
Durch die geänderte politische Situation nach dem 1. Weltkrieg und dem Verbleib Soprons bei Ungarn trat eine eisenbahntechnisch starke Behinderung für Österreich im Verkehr über Sopron hinaus ins Mittelburgenland (Deutschkreutz, Oberpullendorf, Rattersdorf-Liebing) auf.
 
Erst die Einführung von Korridorzügen ab 1922 über Sopron erleichterte die Situation.
 
Mit dem Anschluss Österreichs an das deutsche Reich 1938 änderte sich vorerst für die GySEV nichts.
Das Foto zeiget den Bahnbetrieb am 1.3.1988 in Wulkaprodersdorf, als die Arbeiten zur Elektrifizierung voll in Gang waren. GySEV-Diesellok M 62.904 mit einem langen Güterzug.
  Beginnend mit November 1944 führten Bombardements und Zerstörungen durch abziehende deutsche Truppen jedoch zu massiven Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs. Von April bis Dezember 1945 ruhte der Bahnbetrieb komplett, erst dann konnten wieder die ersten Güterzüge von Sopron aus nach Österreich geführt werden. Ab März 1946 konnten auch wieder Personenzüge zwischen Sopron und Ebenfurth geführt werden.
 
Viele Jahre hindurch bot die Raaberbahn, wie sie im Volksmund genannt wird, dem Eisenbahnfreund ein unverändertes Erscheinungsbild: Dampflokromantik bis Anfang der 1980-er Jahre, schwere Güterzüge und Lokalbahnromantik prägten die Zeit vor der eingeleiteten Modernisierung des Unternehmens. Der Personenverkehr spielte damals nur eine bescheidene Rolle. So verkehrten z.B. 1975/76 in jeder Richtung lediglich zwei Personenzüge (ein Korridorzug Wien Südbahnhof-Ebenfurth-Oberpullendorf morgens nach Oberpullendorf und abends retour und ein Zugpaar Sopron-Ebenfurth-Sopron. Hiezu kam montags noch ein Korridorzug von Deutschkreutz nach Ebenfurth, der allerdings in Sopron durchfuhr).
Dann wurde endlich die Modernisierung in Angriff genommen, lange bevor von einer Ostöffnung die Rede war. Nachdem die GySEV-Strecke Sopron-Györ 1987 elektrifiziert wurde, folgte 1988 die Strecke Soron-Ebenfurth mit dem bei der Ungarischen Staatsbahn (MAV) üblichen System mit 25 kV, 50 Hz. Seit dem 27.5.1988 fahren die Züge auf der Strecke elektrisch.
Das Foto zeiget den Bahnbetrieb am 1.3.1988 in Wulkaprodersdorf, als die Arbeiten zur Elektrifizierung voll in Gang waren. GySEV-Dieseltriebwagen Ba 701 mit einem Personenzug nach Ebenfurth.

  Heute ist die GySEV zwischen Ebenfurth und Sopron eine moderne Eisenbahn, mit neuester Bahntechnik ausgerüstet, einem dichten Personenzugsfahrplan und einem vertaktetem Verkehr nach Wien, mit modernen Lokomotiven und Wagen und einem starkem Güterverkehr.

Wünschen wir ihr auch weiterhin allzeit Gute Fahrt.

Ing. Peter Gaider
Ernst Sladek

Januar 2008