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Die ehemalige Waldbahn Frauenwald
Steinhaus am Semmering - Rettenegg

Ein Bericht von: Mag. J. Matscheko und DI H. Stadlbauer
Gestaltung: Ernst Sladek


Bei der ehemaligen "Alfredhütte" Steinhaus am Semmering

Die Holzbringung aus den Wäldern des Grafen Karl Lanckoronski (1848 - 1933) aus dem oberen Feistritztal in Richtung zur Südbahnstrecke gestaltete sich in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts sehr schwierig, zumal die Fuhrwerke die enge und steile Pfaffensattelstraße befahren mussten.
Die Geschichte der Waldbahn begann eigentlich schon mit dem Jahr 1899, als der Graf , er war Eigentümer des Forstgutes Frauenwald, einige schmale Streifen am rechten Feistritzufer von der Erzdiözese Wien für 30 Jahre pachtete. Planer und Bauleiter der Waldbahn war Forstmeister Ing. Roman Tichy (1853 - 1930). Die erste Teilstrecke zwischen der ehemaligen Loimeiersäge (nähe Mirsegg, ca. 4,5 km von Rettenegg entfernt) und der Station Ambach (am Fuße des Feistritzsattels) wurde noch als Pferdebahn betrieben. Nach und nach erfolgte der Ausbau des Feistritztalaufzuges (von der Talstation Ambach bis zum Feistritzsattel / Sattelbahnhof), der Sattelstrecke und des Bremsbergs in Richtung Fröschnitztal. 1910 wurde vom Pferde- auf Dampfbetrieb umgestellt und 1922 war die 22 km lange Strecke mit der Spurweite von 600 mm zwischen Rettenegg und Steinhaus am Semmering fertig gestellt und voll betriebsfähig.

Lok Nr. 2 (Baujahr 1911), Sattelstrecke

Lok Nr. 2 beim Heizhaus, Feistritzsattel
Der Verkehr auf drei Teilstrecken dieser Waldbahn (im Fröschnitztal, auf der Sattelstrecke und im Feistritztal) wurde mit sechs dreiachsigen Dampflokomotiven abgewickelt. Einige Zeit war noch eine zweiachsige Lok im Einsatz. Auf der Bremsbergstrecke und dem Feistritztalaufzug war kein Lokomotivbetrieb möglich. Die reine Fahrzeit von Rettenegg bis Steinhaus betrug ca. zweieinhalb Stunden, in der Praxis dauerte der Transport über die gesamte Strecke allerdings länger.

Die Beförderung des Holzes mit der Waldbahn war sehr aufwändig und benötigte zur Überwindung der ca. 160 Höhenmeter vom Feistritztal auf den Feistritzsattel einen 939 m langen Schrägaufzug. Mit Hilfe dieses dreischienigen, mit Wasserkraft betriebenen Feistritztalaufzuges wurden die beladenen Waggons hochgezogen. Eine Peltonturbine in der Talstation Ambach erbrachte je nach vorhandener Wassermenge eine Leistung zwischen 20 und 25 PS. Das für den Antrieb benötigte Wasser wurde vom Ambach über einen ca. 678 m langen Kanal in ein 20 m
3 fassendes Bassin geleitet.

Die Waldbahn Frauenwald brachte Arbeit ins abseits der Semmeringbahn gelegene obere Feistritztal und bildete ca. 55 Jahre lang die Lebensgrundlage für die dort lebende Bevölkerung. Auch das obere Fröschnitztal profitierte von ihrem Betrieb. Daher soll das Andenken an diese Bahn weiterhin gewahrt bleiben.


Schrägaufzug, Ambach Feistritztal


Bremsberg Bergstation, Sattelstrecke

Am Ende der ca. 2,9 km langen Sattelstrecke (ein Abschnitt dieser ehemaligen Trasse ist heute übrigens ein Teil des Wanderweges zwischen dem Feistritzsattel und dem Sonnwendstein) wurden die Waggons über einen Bremsberg mit 974 m Länge ins ca. 240 m tiefer gelegene Fröschnitztal transportiert.


Bremsberg Talstation, Fröschnitztal

Mitarbeiter beim Forstgut Frauenwald

Von dort wurde das Holz talabwärts zum Bahnhof Steinhaus am Semmering befördert und verladen. Entlang der Waldbahn bestanden 15 Ladestellen.


Rettenegg, Blick in Richtung Feistritztal

Steinhaus am Semmering, Südbahnviadukt
Die vorübergehende zwangsweise Abtragung eines Streckenabschnittes 1930 im Feistritztal und die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs konnten die Bahn nicht in die Knie zwingen, es bestand jedoch in den fünfziger Jahren nicht mehr die Möglichkeit, sie wirtschaftlich zu betreiben. So war das Ende der Waldbahn Frauenwald absehbar. Im September 1958 war diese Bahn nach dem Abbau der Strecke und der Verschrottung der Fahrzeuge und Geleise Geschichte. Nach der Abtragung der Strecke wurde die Trasse, die im Feistritz- und Fröschnitztal vielfach in der Nähe der Landesstraßen verlief, für die Straßenverbreiterung genutzt.

Derzeit bestehen nur mehr erkennbare Trassenteile in Steinhaus am Semmering, bei der Bergstation des Bremsberges und beim Feistritztalaufzug. 

Sehr schön sichtbar und erhalten ist heute noch die Bahntrasse in Steinhaus zwischen der ehemaligen „Alfredhütte“ und dem Steinhauser Semmeringbahn-Viadukt. Im Bereich dieses Viadukts findet sich im Verlauf des ,,Steirischen Semmeringbahn-Wanderwegs" außerdem eine Schautafel mit Hinweisen auf diese Waldbahn.


Idylle beim Gasthaus Zach am Feistritzsattel.......

....und beim Forsthaus in Feistritzwald
Die Waldbahn Frauenwald brachte Arbeit ins abseits der Semmeringbahn gelegene obere Feistritztal und bildete ca. 55 Jahre lang die Lebensgrundlage für die dort lebende Bevölkerung. Auch das obere Fröschnitztal profitierte von ihrem Betrieb. Daher soll das Andenken an diese Bahn weiterhin gewahrt bleiben.
Fotos zur Verfügung gestellt von: F. Humel, Mag. J. Matscheko, H. Payr, A. Piller, DI A. Rothwangl, DI H. Stadlbauer, Fam. Zierler

WALDBAHN-AUSSTELLUNG IM GASTHAUS ROSINGER
FEISTRITZWALD. 8674 RETTENEGG TELEFON: O699 1132 91 8O

ÖFFNUNGSZEITEN: 
FREITAG VON 10 BIS 20 UHR
, SAMSTAG UND SONNTAG VON 14 BIS 20 UHR